23.12.2021

Plan gegen den Krebs: Zielkatalog mit Erfolgsprüfung

Mit fast 100 Maßnahmen sagt Stella Kyriakides, EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Krebs den Kampf an. Foto: IMAGO / Hans Lucas

Beinahe 100 Einzelmaßnahmen umfasst der Antikrebsplan der EU (Europe’s Beating Cancer Plan), der Anfang 2020 in Brüssel mit großem Aplomb präsentiert wurde. Nun veröffentlichte die EU-Kommission dafür einen konkreten Zielkatalog. Er stellt für jede Maßnahme messbare Erfolgskriterien auf, die bis zum Jahr 2025 erreicht werden sollen.

 

Neben klarer EU-Gesetzgebung finden sich in dem Katalog auch viele „weiche“ Maßnahmen. So plant die Kommission eine App, in der sich die EU-Bürgerinnen und -Bürger über Krebsprävention informieren können. Sie soll bis 2024 veröffentlicht werden. Eine weitere App ist für Menschen gedacht, die mit einer chronischen Krebserkrankung leben müssen. Die sogenannte „Cancer Survivor Smart Card“ soll auch 2024 zur Verfügung stehen.

Bis 2024 sollen die Vorgaben für Tabakprodukte aktualisiert werden. Foto: IMAGO / Michael Gstettenbauer

Zu den eher harten Maßnahmen zählt die Neufassung der EU-Tabakgesetzgebung, deren Abschluss für 2024 vorgesehen ist. Bis dahin sollen die Vorgaben zu Werbung, Besteuerung und Verkauf aktualisiert werden. Auch übermäßigen Alkoholkonsum will die EU eindämmen. So sollen bis 2022 die bestehenden Regelungen zur Besteuerung und dem Verkauf von Alkohol überprüft werden; bis 2023 soll ein Vorschlag der Kommission auf dem Tisch liegen, wie Warnhinweise auf Flaschen und Verpackungen aussehen müssen. Verpackungshinweise zu gesundheitsschädlichen Inhalten sind aber auch generell für Lebensmittel geplant. Ebenfalls 2022 sollen hierfür europäische Vorgaben verabschiedet werden.

Was die Krebsfrüherkennung betrifft, plant die EU-Kommission bis 2025 neue europäische Leitlinien für Screeningprogramme. Im Fokus stehen Brustkrebs, Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs.

Auch für die Krebsfrüherkennung hat sich die EU-Kommission Ziele gesetzt. Foto: IMAGO / blickwinkel

Auch für die Strahlendiagnostik und -therapie von Krebserkrankungen hat sich die EU viel vorgenommen. So stehen nach Verabschiedung des SAMIRA-Plans im Jahr 2021 nun die eigentlichen Umsetzungsschritte an. SAMIRA steht für Strategic Agenda for Medical Ionising Applications, also Medizinprodukte aus der Strahlendiagnostik beziehungsweise Strahlentherapie. Die verschiedenen Maßnahmen sollen bis 2024 umgesetzt sein.

Neben den zeitlichen Fristen zieht die Kommission aber auch weitere Indikatoren für die Erfolgsmessung hinzu. Dazu zählen beispielsweise die Menge an geförderten Maßnahmen auf nationaler Ebene, die Beteiligung an Schulungsprogrammen pro Kopf und selbst die Downloadraten der verschiedenen Apps.

Mit einem Zielkatalog sollen die Maßnahmen des Krebsplans bis 2025 evaluiert werden. Foto: IMAGO / Sven Simon

Mit dieser Abhakliste setzt sich die Kommission selbst unter Erfüllungsdruck. Das zeigt, wie ernst es Ursula von der Leyen und ihrem Team ist, in Sachen Krebs wirklich etwas zu bewegen. Und doch muten die vielen, vielen Vorhaben enorm ambitioniert an und es drängt sich die Frage auf, ob die Konzentration auf einige große Projekte die Kräfte nicht viel effizienter bündeln würde. Wie dem auch sei, neben der emsigen Arbeit der Kommission ist es nun auch an den Mitgliedstaaten, den Europe’s Beating Cancer Plan mit Leben zu füllen.

Sten Beneke