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30.06.2021

RA Peter Klotzki, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Freien Berufe e. V. (BFB)

Der Wert der Freiberuflichkeit für die heutige Zeit am Beispiel der Ärztin und des Arztes

Das Foto zeigt Peter Klotzki, Rechtsanwalt und Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Freien Berufe e. V. (BFB).
Peter Klotzki ist Rechtsanwalt und Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Freien Berufe e. V. (BFB)

Perspektivwechsel – mit ihm kristallisiert sich der hohe Wert der Freiberuflichkeit heraus: Patient zu sein in Deutschland garantiert eine Gesundheitsversorgung auf international höchstem Niveau. Ärztinnen und Ärzte leisten durch ihr enormes Engagement dazu einen herausragenden Beitrag. Dabei ist das System „Freier Beruf“ mit seinen Koordinaten und Werten elementar.

Patientinnen und Patienten vertrauen ihren Ärztinnen und Ärzten ihre Gesundheit, letztlich ihr Leben an. Auch bei ihnen steht wie bei den Freien Berufen überhaupt der Mensch im Mittelpunkt. Freiberufler wirken so auch im Interesse des Rechtsstaats, der Sicherheit, der Sprache, der Baukultur, der Kunst – und eben der Gesundheit. Sie schaffen Werte für alle, das leistet kein anderer Sektor.

Eine exponierte Stellung, die gerade auch in der Corona-Krise sichtbar wird. Als Helfer sind sie ganz vorne mit dabei. So sind es gerade die freien Heilberufe und ihre Teams, die helfen, die gesundheitlichen Folgen abzuwehren. Zudem zeigt sich, wie wichtig ein gut funktionierendes Gesundheitswesen ist, mit einer leistungsstarken ambulanten Versorgung und gut ausgestatteten Krankenhäusern.

Das System „Freier Beruf“ mit seinen Regeln für Berufszugang und -ausübung nimmt den Menschen in den Blick, der sich darauf verlassen können muss, dass die Qualität der freiberuflichen Dienstleistung stimmt. Dafür stehen auch die starken Freiberufler-Organisationen und die Selbstverwaltung ein. Sie sorgen für Transparenz und setzen Qualitätsmaßstäbe. Schließlich kann es keine sachkundigere Kontrolle geben als die durch die Professionen selbst. Darauf können Bürgerinnen und Bürger vertrauen.

Und sie müssen es auch. Mit gewerblichen Unternehmen kommt der Verbraucher meist gut allein zurecht. Anders sieht es bei einer detaillierten medizinischen Diagnose, einer richtigen Einkommensteuererklärung oder einem präzisen Baugutachten aus. Er muss sich und seine sensibelsten Angelegenheiten einem Freiberufler anvertrauen.

Dieses Vertrauensverhältnis ist kostbar, wird flankiert von der Verschwiegenheit und muss geschützt werden vor den Einflüssen Dritter, seien es der Staat, Investoren oder im Gesundheitssektor die Krankenkassen. Um dies abzusichern, ist auch die Unabhängigkeit auf der Freiberufler-DNA kodiert, sie müssen frei sein in der Bildung ihres Urteils, für das sie haften. Überdies machen die Freien Berufe bei der Qualität keine Kompromisse und erbringen ihre Leistung persönlich: Ob im Not- oder Normalfall, der direkte Kontakt zu Patient, Kundin, Klient oder Mandantin ist typisch für die Freiberufler, deren Gesicht ihr Logo ist. Bei ihnen läuft niemand als anonyme Rechnungsnummer durch.

Freiberufler-Märkte sind attraktiv und nicht wenige suchen Einfallstore. Dies wird gerade im heilberuflichen Bereich durch eine problematische Facette verstärkt: Die Niedrigzinspolitik führt zu geänderten Anlagestrategien von Kapitalgebern und Investmentfonds. Den Gesundheitssektor finden Investoren nicht nur lukrativ, sondern auch stabil und erwarten hohe Gewinne. Um fremdgesteuerte Fehlentwicklungen im flächendeckenden Behandlungsgeschehen zu minimieren, sollte daher die weitere Etablierung von Konzernstrukturen in der ambulanten Versorgung vermieden und die „Wertschöpfungskette Arzt/Zahnarzt“ erhalten bleiben. Auch diese Perspektive macht klar: Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte sind systemrelevant. Wo es sie nicht gibt, da fehlen sie. Ein nachhaltiger Ansatz zur Wertschätzung ihrer im wahrsten Sinne Lebensleistung, wie sie sich in der Krise zeigt, ist deren freiberuflichen Rechtsrahmen zu stärken.

 

 

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